Die Reihe „LesArt“, die Hans-Jürgen Simon und Sven Wlassack nun schon im zweiten Jahr erfolgreich betreuen, hat einen heimlichen Höhepunkt: Unter dem Titel „Erlesenes“ stellen Bürger ihre Lieblingsgeschichten und Gedichte vor. Diesmal ging an den Strand, die Vorleserinnen und Leser saßen im roten Strandkorb und die Zuhörer setzten sich andächtig lauschend rundherum. Da das Motto „da lacht die Möwe“ ausgegeben worden war, platzierte sich ein solcher Vogel, vorerst noch sehr nachdenklich schauend, dicht anbei.
Rainer Beuthel, bekannter Literat und Musiker, begann mit der Geschichte „Ich wurde zweimal geboren“, des russischen Meister des Absurden Daniil Charms. Weitere kleine Theatergrotesken rundeten das viel zur kurze Portrait dieses „literarischen Geheimtipps“ ab. Margrit Foken berichtet mit der Hilfe von Siegfried Lenz über einen sehr empfindlichen Hund und eine Fuchsjagd mit Tücken. Auch Heiner Mehl, der neben seiner beruflichen Tätigkeit bereits selber als Schriftsteller in die Öffentlichkeit getreten ist, lies Sigi Lenz sprechen: „Das unterbrochene Schweigen“ berichtete sehr bered von der lang anhaltenden Feindschaft zweier Familien in einem norddeutschen Dorf und ihrer kurzen Unterbrechung. Inzwischen hatte sich das Publikum bereits gut eingelacht (auch die Möwe soll angeblich öfters geschmunzelt haben!). Foto: Entspannte Leserunde am Strand, Rainer Beuthel liest
Daran nicht ganz unschuldig war die von Sven Wlassack vorgetragene Geschichte von Jerome K. Jerome, über die Kalamitäten, die ein „duftender“ Käse über einen ihn aus Freundschaft transportierenden Mitmenschen bringt. Diese, vom Vater unseres Kulturreferenten übersetze Story, geizte nicht mit britischen Humor. Die deutsche Variante in ihrer schwärzesten Art bietet Robert Gernhard. Der Humorist, bekannt aus „Pardon“ bis „Titanic“, wurde von Matthias Hahn-Engel vorgestellt. Der ließ seinen Lieblingsdichter lebendig unter anderem in Ausschnitten aus „Die Wahrheit über Arnold Hau“ berichten. Foto: Sven Wlassack versucht die Möwe zum Kirchern zu bringen
Dass die Plattdeutsche Sprache bei einem Eckernförder Leseabend nicht zu kurz kommt, verhinderte Heidemarie Rützel, die die Zuhörer mit einigen Gedichten erheiterte, unter anderem von Albert Mähl. Während es langsam kälter wurde um den markanten Strandkorb und das Publikum sich mit rotem Wein auch von innen befeuerte, trug Beate Kennedy Fremdländisches vor. „Die Sprache im Ruhrgebiet“ von Claus Sprik und Ausschnitte aus den „Lausbubengeschichten“ von Ludwig Thoma hätten sicher den Touristen auch gefallen, aber die waren leider nicht informiert: Die Internetseite der Touristik GmbH und ihr gedrucktes Gegenstück schwiegen sich auch über diese Kulturveranstaltung aus. Schade, denn selbst die anfänglich so nachdenkliche Möwe war inzwischen äußerst vergnügt. Foto: Heinrich Mehl im roten Strandkorb